
Don’t worry about me – Jazzfilm über Jutta Hipp
Der Dokumentarfilm „Don’t worry about me“ erzählt die wahre Geschichte der deutschen Jazzpianistin Jutta Hipp. In den 1950er-Jahren stürmte sie von Leipzig auf die Bühnen in Frankfurt und New York. Doch nach nur fünf Jahren verschwand sie spurlos von der Bühne. Jahrzehnte später stößt eine junge Dokumentarfilmerin in einem Frankfurter Keller auf den Nachlass des Jazztrompeters Carlo Bohländer und folgt den Spuren der „European First Lady of Jazz“. Ihre Suche enthüllt ein Leben zwischen Triumph und radikalem Rückzug – und die Frage, warum Jutta Hipp ihren Traum von Musik und Ruhm aufgab.
Das unglaubliche Leben der Jutta Hipp – Synopsis
Nach dem Krieg erobert der Jazz die Städte Europas – ein Männerrevier. Doch eine junge Frau aus Leipzig setzt sich ans Klavier und mischt die Szene auf: Jutta Hipp. 1925 geboren, wächst sie als eigensinniger, kreativer Teenager auf. Sie zeichnet, dichtet, spielt Klavier. Ihre musikbegeisterten Eltern fördern sie, sie studiert an der Leipziger Akademie für Grafische Künste und Buchgewerbe. Mit ihrem ersten Freund taucht sie in die Jazzclubs ein – und wagt schließlich die Flucht in den Westen.
In München, Frankfurt und Düsseldorf spielt sie bald mit den besten deutschen Musikern. Ihr Ruf dringt bis nach New York. Jazzkritiker und Produzent Leonard Feather holt sie ins legendäre Hickory House und verschafft ihr als erster weißer Instrumentalistin überhaupt einen Vertrag bei Blue Note Records. Dort teilt sie sich die Bühne mit den Größten – von Miles Davis bis Duke Ellington – und behauptet sich in einer Szene, die Frauen höchstens als Sängerinnen duldet.
Doch der amerikanische Traum kippt: Drogen, Alkohol, Rassismus, Sexismus. Auf offener Bühne wird sie gedemütigt, verliert Management und Auftrittserlaubnis. Ohne Geld und Wohnung steht sie plötzlich vor dem Nichts. Am tiefsten Punkt angekommen, zieht Hipp einen radikalen Schlussstrich.
Sie verlässt die Bühne und beginnt ein neues Leben als Näherin – ein Schritt, den kaum jemand versteht, weder Freunde noch Kollegen. Warum wendet sich eine gefeierte Jazzpianistin endgültig von der Musik ab? War es persönlicher Widerstand, ein Akt der Selbstbestimmung oder das Resultat eines Systems, das Frauen im Jazz ausgrenzt?
Der Film geht dieser Frage nach. Jazzmusiker/innen wie Toshiko Akiyoshi oder Julia Kadel teilen ihre Erfahrungen und zeigen, wie sich Machtstrukturen bis heute fortsetzen. Als Erzählerin führt uns Dokumentarfilmerin Elizabeth Ok durch ein Leben zwischen Triumph und Verweigerung – und auf die Spur eines Musters, das weit über Jutta Hipp hinausweist.
Die Machart des Films
Jutta Hipp führte gleich mehrere Leben: erst in Leipzig während des Zweiten Weltkriegs, dann mitten in der Frankfurter Jazzszene und schließlich in den USA, dem vermeintlichen Land der Freiheit. Um diese Stationen spürbar zu machen, verwebt der Film historische Überschriften, Radiomitschnitte, Zeitungsberichte, Spielfilmausschnitte, Plattencover und zeittypische Modefotografien zu einem vielschichtigen Zeitpanorama. So entsteht ein lebendiges Bild der gesellschaftlichen Umbrüche, die Hipp prägten. Jutta Hipp selbst kommt zu einigen wichtigen Stationen ihres Lebens selbst zu Wort.
Sounddesign und Musik verstärken den Geist des Aufbruchs: Szenen aus dem zerstörten Deutschland kontrastieren mit pulsierenden Bildern der New Yorker Jazzclubs und begleiten den Wandel von der gefeierten Musikerin zur Näherin und Malerin. Interviews mit Zeitzeugen, Mitreisenden und Historikern, ergänzt durch eigens kreierte Animationen für den Film und durch Hipps eigene Zeichnungen und Gedichte, öffnen zusätzliche Perspektiven.
Auch die Musikgeschichte selbst wird nachgezeichnet – Vom Frankfurt Sound zu Cool, Hard Bob und Free Jazz. Jazz erscheint dabei nicht nur als Stil, sondern als Sinnbild von Freiheit, die Jutta Hipp ihr Leben lang suchte und lebte.